Drumcomplex

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Drumcomplex – Das Massenbewegungsphänomen

Arbeitsteilung bei Techno-Duos ist keine Seltenheit. Im Gegenteil ist sie sogar vielmehr Normalität. Das liegt in der Techno-Szene in der Sache selbst begründet, denn zumeist konzentriert sich einer der beiden Teile qua passender Ausbildung auf den professionellen Plattenproduktionsoutput während der extrovertiertere Part sich an den Wochenenden den Bollerfäusten der kreischenden Fans stellt und unter der Woche versucht, seinem Gemüt etwas Ruhe zukommen zu lassen. Arnd Reichow, Teil des Duos „drumcomplex“, war zeit seines Lebens der letzteren Sorte zuzuordnen. Daniel, studierter Tontechniker, und obendrein Arnds Bruder, bildet in beruflicher wie privater Hinsicht eine wichtige Stütze. Besser könnte man sich kaum gegenseitig ergänzen.
Wer hat sich die Frage „Wie komplex kann Techno schon sein?“ nicht irgendwann mal gestellt? Die Antwort müsste bei drumcomplex lauten: Techno kann eine Stufe der Komplexität erlangen, die durch perfektionierte Arbeitsteilung das Maximum aus Studioarbeit und Live-Auftritten herausholt – und das bereits seit über zehn Jahren. Das spiegelt sich auch in der Diskografie wider: Die beiden decken eine Bandbreite an hochgeschätzten Techno und TechHouse-Labels ab, nach der sich andere die Finger lecken würden: MB Elektronics, Phobiq, Different is Different Records, Toolroom Records, Railyard Recordings, Resopal Schallware, Definition Records, SK Supreme Records, Techno League Rec, K:lender. Feuer aus allen Rohren und mit Nachdruck empfohlene Schalldruckkanonen seit 2003, das ist die Bilanz harter Arbeit im Studio, die sich über viele Jahre das Attribut Massenbewegungsphänomen verdient hat.
Und draußen, vor den Massen, wie sieht es da aus? Jeder, der Arnd mal vor einer Menge hat spielen sehen, dem wird jetzt ein Schmunzeln auf das Gesicht huschen. Warum? Weil man sich getrost die Frage stellen kann, wie jemand nach etwa 20 Jahren DJing noch mit so viel Unbeschwertheit und gleichzeitig so viel Abgebrühtheit an die Sache heran gehen kann. Vielleicht ist es genau dieser magische Funken der ersten Stunde der Unberührtheit vom Urkern des Techno, der bei jedem seiner Sets aufblitzt und die Menge immer ein klein wenig mit erleuchtet. Das ganze wichtige Gebaren um die DJ-Kanzel herum ist auf keinen Fall seine Welt. Arnd ist der DJ, der danach nicht im Backstage verschwindet, um Champagner zu trinken, sondern der Fan, der zusammen mit dem Rest der Menge die Platten seines Nachfolgers feiert. Es ist diese offene und ehrliche Art, die den „drumcomplex“ so simpel an die Menschen heranträgt, dass sich niemand in der Menge gegen seinen fast kindlichen Charme erwehren kann. Ein Funke der Harmonie, der sich in der Szene gerne wieder an mehr Stellen finden könnte.